Ein P2P-VPN ersetzt das klassische VPN-Setup – bei dem der Datenverkehr über zentrale Server läuft – durch ein verteiltes Netzwerk, in dem die Nutzer selbst als Knotenpunkte fungieren. Statt Daten an einen einzigen Endpunkt zu senden, geht der Datenverkehr über mehrere Peers. Das schafft ein System, das widerstandsfähig gegen Zensur und zentrale Ausfälle ist. Das Ergebnis ist ein Privatsphäre-Tool, das nicht nur dezentralisiert ist, sondern auch von den unterschiedlichen Fähigkeiten und der Vertrauenswürdigkeit der Peers abhängt, die es am Laufen halten.
Was ist P2P?
P2P (Peer-to-Peer) beschreibt ein Netzwerkmodell, in dem die Teilnehmer Daten und Ressourcen direkt untereinander austauschen, anstatt sich auf einen zentralen Server zu verlassen.
Dieses Prinzip kennst du vielleicht von Filesharing-Netzwerken: Die Last wird auf viele Nutzer verteilt, damit kein einzelnes System überlastet wird. Hier gilt das gleiche Prinzip, aber in größerem Rahmen: P2P-Netzwerke funktionieren, indem jeder Knotenpunkt einen Teil seiner Bandbreite oder Rechenleistung zur Verfügung stellt. Das System wird also leistungsfähiger, je mehr Peers mitmachen.
Da alle Teilnehmer Daten unabhängig senden und empfangen können, lassen sich P2P-Netzwerke effizient skalieren und vermeiden Engpässe und Wartungsaufwand, die bei zentralisierten Infrastrukturen entstehen.
Diese Eigenschaften bilden auch die Grundlage eines P2P-VPNs, bei dem die Geräte der Nutzer das Rückgrat des Netzwerks bilden – und nicht die Server eines Anbieters.
Zentrales VPN vs. P2P-VPN – was ist der Unterschied?
Ein zentrales VPN (Virtual Private Network) nutzt Server des Anbieters, die das Routing, die Verschlüsselung und die Weiterleitung des Datenverkehrs übernehmen, damit die Nutzer einen vorherseibaren Verbindungspfad und eine gleichbleibende Leistung haben.
In einem P2P-VPN werden diese Aufgaben auf die Nutzer selbst verteilt: Jedes Gerät kann als Knotenpunkt (Node) agieren, verschlüsselten Datenverkehr weiterleiten und so ein Netzwerk ohne zentrale Kontrollstelle aufbauen.
Zentrale VPNs bieten Stabilität, eine eigene Infrastruktur und klare Sicherheitsüberwachung, während P2P-VPNs auf Dezentralisierung, Ausfallsicherheit und Resistenz gegen Abschaltungen setzen.
Der Haken dabei ist, dass Leistung und Vertrauenswürdigkeit in einem P2P-VPN von den Peers abhängen, die das Netzwerk am Laufen halten, während ein zentrales VPN ein einheitliches Verhalten über seine verwalteten Server garantiert.
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Funktion
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Zentrales VPN
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P2P-VPN
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Netzwerkstruktur
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Läuft über eigene Server eines Anbieters
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Läuft über Geräte der Nutzer, die als Knotenpunkte dienen
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Steuerung
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Infrastruktur und Updates werden von einer zentralen Stelle verwaltet
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Keine zentrale Instanz; das Netzwerk organisiert sich selbst
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Leistung
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Konsequent und vorhersehbar
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Variabel; hängt von Anzahl und Qualität der Peers ab
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Sicherheitsmodell
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Anbieter kontrolliert Serversicherheit und Konfiguration
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Verschlüsselung vorhanden, aber Knotenpunkte sind ungeprüft
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Ausfallsicherheit
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Anfällig für Serverausfälle oder gezielte Blockaden
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Schwerer zu stören; kein zentraler Ausfallpunkt („Single Point of Failure“)
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Skalierbarkeit
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Skaliert mit den Ressourcen des Anbieters
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Skaliert, wenn mehr Nutzer beitreten und beitragen
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Wartung
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Der Anbieter kümmert sich um die Server
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Durch die Teilnahme automatisch unter den Nutzern verteilt
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Am besten geeignet für
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Nutzer, die Wert auf Stabilität und einfache Bedienung legen
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Nutzer, die Dezentralisierung und Zensurresistenz wollen
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Wie funktioniert ein P2P-VPN?
Ein P2P-VPN verteilt die Rolle eines VPN-Servers auf die Geräte der Nutzer, die am Netzwerk teilnehmen.
Wenn du dich mit einem P2P-VPN verbindest, wird dein Gerät zu einem der vielen Knotenpunkte, die Datenverkehr verschlüsseln, Pakete weiterleiten und den Weg der Daten durch das System mitbestimmen können. Anstatt den gesamten Datenverkehr über einen festen Endpunkt zu leiten, werden Routing-Entscheidungen dynamisch getroffen: Algorithmen wählen aus, welche Peers die verschlüsselten Pakete weiterleiten, basierend auf Faktoren wie Verfügbarkeit, Nähe und aktueller Auslastung.
Jeder Sprung (Hop) ist verschlüsselt. Obwohl Peers den Transport der Daten übernehmen, können sie deren Inhalt nicht sehen. Das Resultat ist ein Netzwerk ohne zentrale Autorität und ohne „Single Point of Failure“ – seine Ausfallsicherheit steigt, je mehr Nutzer mitmachen.
Allerdings müssen Peers, die als Ausgangsknoten fungieren – also die Knotenpunkte, die deinen Datenverkehr ins öffentliche Internet schicken –, das Paket auf VPN-Ebene entschlüsseln, bevor sie die Anfrage weiterleiten. Das bedeutet: Auch wenn der Inhalt verschlüsselter Verbindungen (z. B. HTTPS) nicht gelesen werden kann, könnte der Ausgangsknoten sehen, wohin dein Datenverkehr fließt. Da die Ausgangsknoten von unbekannten Nutzern betrieben werden, setzt die Verwendung eines P2P-VPNs großes Vertrauen voraus.
Gleichzeitig garantiert ein P2P-VPN keine stabile Performance – die Qualität des Routings hängt von der Stärke, Stabilität und Vertrauenswürdigkeit der Knotenpunkte ab, die Teil des sich ständig verändernden Netzwerks sind.
Vor- und Nachteile von P2P-VPNs
Ein P2P-VPN hat Stärken, die in seiner dezentralen Architektur liegen, aber genau diese Eigenschaften bringen auch Einschränkungen mit sich, die zentrale Systeme nicht haben.
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P2P-VPN Vorteile
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P2P-VPN Nachteile
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Kein zentraler Ausfallpunkt („Single Point of Failure“)
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Variable Performance je nach Peers
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Resistent gegen Zensur und Blockaden
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Knotenpunkte sind ungeprüft und eventuell unzuverlässig
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Skaliert, wenn mehr Nutzer beitreten
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Verhalten kann inkonsistent sein, wenn Peers kommen oder gehen
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Verteiltes Vertrauen statt Kontrolle durch einen Anbieter
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Keine professionelle Wartung oder Betreuung
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P2P-VPN Vorteile: Warum ein P2P-VPN nutzen?
Ein P2P-VPN hat ein paar Vorteile, weil die Verantwortung auf viele unabhängige Nutzer verteilt wird:
- Kein „Single Point of Failure“: Das Netzwerk bleibt verfügbar, auch wenn einzelne Knoten offline gehen;
- Zensurresistenz: Ohne zentralen Server ist es schwieriger, den Zugang zu blockieren oder den Dienst abzuschalten;
- Organische Skalierbarkeit: Die Leistung kann sich verbessern, wenn mehr Peers beitreten und Ressourcen beisteuern;
- Verteiltes Vertrauensmodell: Keine einzelne Instanz kontrolliert das Netzwerk oder den Datenverkehr.
Für alle, die Wert auf Dezentralisierung und Ausfallsicherheit legen, bietet ein P2P-VPN eine Alternative, um verschlüsselte, private Verbindungen herzustellen.
P2P-VPN Nachteile: Sind P2P-VPNs sicher?
P2P-VPNs sind insofern sicher, weil sie den Datenverkehr verschlüsseln und verhindern, dass andere Nutzer die von ihnen weitergeleiteten Daten lesen können. Aber ihre dezentrale Struktur unterscheidet sie von herkömmlichen VPN-Diensten:
- Variable Performance: Geschwindigkeit und Stabilität hängen von der Kapazität und Verfügbarkeit der Peers ab;
- Ungeprüfte Knotenpunkte: Deine Daten laufen über unbekannte Dritte, und werden teilweise beim Verlassen entschlüsselt. Wenn du selbst einen Ausgangsknoten betreibst, gehst du auch rechtliche Risiken ein, weil die Aktivitäten deiner Peers scheinbar von deiner persönlichen IP-Adresse ausgehen;
- Unvorhersehbares Verhalten: Die Netzqualität schwankt, wenn Knotenpunkte beitreten oder das Netzwerk verlassen;
- Fehlende zentrale Wartung: Updates, Optimierungen und Fehlerbehebungen hängen allein von der Community ab.
In der Praxis kann ein gut implementiertes P2P-VPN sicher sein, aber es setzt mehr Vertrauen in die Netzwerkarchitektur und die Community voraus, die sie pflegt.
Kostenlose P2P-VPNs: Top oder Flop?
Kostenloses P2P-VPN hört sich erstmal gut an, hat aber ein paar wichtige Nachteile.
Da das Netzwerk von Freiwilligen oder Fans betrieben wird, gibt es keine Garantie für regelmäßige Sicherheitsupdates, gute Knotenqualität oder langfristige Zuverlässigkeit. Einige kostenlose Implementierungen haben vielleicht weniger Peers, was die Routing-Optionen einschränken und die Gesamtleistung beeinträchtigen kann.
Das gilt auch für das Vertrauen. Kostenlose oder kaum regulierte P2P-VPNs nutzen oft Ausgangsknoten, die von anonymen Nutzern betrieben werden. Wenn diese Ausgangsknoten deinen Internetverkehr verarbeiten, bist du darauf angewiesen, dass der Betreiber nichts protokolliert, inspiziert oder missbraucht – etwas, das in dezentralen Communities nicht garantiert werden kann.
Zudem hinken Projekte ohne Finanzierung oder aktive Entwicklung oft hinterher, wenn es darum geht, Sicherheitslücken zu schließen oder neue Standards einzuführen. Auch wenn gut gewartete Open-Source-P2P-VPNs sicher sein können, sollte dir klar sein, dass ohne kommerziellen Betreiber auch keinen speziellen Support, keine garantierte Verfügbarkeit und keine formelle Rechenschaftspflicht gibt.
Double VPN vs. P2P-VPN
Ein Standard-VPN schickt deinen Datenverkehr über einen verschlüsselten Server. Das ist einfach und schnell, aber dieser eine Server sieht sowohl, wer du bist, als auch wohin du surfst – du musst dem Anbieter also voll vertrauen.
Ein Double VPN sorgt für eine zusätzliche Sicherheitsebene, indem es deinen Datenverkehr über zwei Server des Anbieters leitet. Jeder Server sieht nur einen Teil der Verbindung, was die Anonymität erhöht und gleichzeitig eine relativ konstante Performance sicherstellt. Das Setup bleibt jedoch zentral, da alle Server weiterhin vom Anbieter kontrolliert werden.
Ein P2P-VPN verfolgt den entgegengesetzten Ansatz: Statt auf verwaltete Server zu setzen, verteilt es das Routing auf unabhängige Peers. Diese Dezentralisierung eliminiert zentrale Ausfallpunkte und macht das Netzwerk widerstandsfähiger gegen Blockaden oder gezielte Angriffe, auch wenn Geschwindigkeiten und Routing-Pfade weniger vorhersehbar sein können.
Sowohl Double VPN als auch P2P-VPN zielen darauf ab, die Privatsphäre über das Maß eines Standard-VPNs hinaus zu verbessern. Der Unterschied liegt im Weg dorthin: Double VPN nutzt geschichtete Verschlüsselung innerhalb eines kontrollierten Systems, während P2P-VPN Vertrauen und Routing auf viele Nutzer verteilt.
Wenn dich diese zusätzliche Sicherheitsebene interessiert: Surfshark bietet eine eigene Version von Double VPN namens MultiHop – verfügbar in all unseren Paketen.
Onion over VPN vs. P2P-VPN
Onion over VPN verbindet eine zentrale VPN-Verbindung mit dem mehrschichtigen Routing-System des Tor-Netzwerks (The Onion Router). Dein Datenverkehr wird erst verschlüsselt und durch einen VPN-Server geschickt, dann über mehrere ehrenamtlich betriebene Tor-Knoten geleitet. Dadurch entstehen mehrere Trennschichten zwischen deiner Identität und deinem Zielort. Allerdings beginnt es immer noch mit einem vom Anbieter kontrollierten VPN-Endpunkt und verlässt sich für Anonymität und Routing auf die Tor-Relay-Struktur.
Ein P2P-VPN macht das anders. Statt vorherbestimmte Server oder die Eingangs-Relay-Ausgangs-Sequenz von Tor zu nutzen, verteilt es verschlüsselten Datenverkehr über ein dynamisches, Peer-betriebenes Netzwerk. Jeder Peer hilft beim Routing, was das System grundsätzlich dezentralisiert ist. Es ist schwerer zu blockieren oder zu zensieren, weil es keine zentrale Infrastruktur gibt, die attackiert werden könnte.
Kurz gesagt: Onion over VPN kann mehr Anonymität bieten, ist aber normalerweise langsamer und hängt sowohl von der VPN- als auch der Tor-Infrastruktur ab. Im Gegensatz dazu gibt es bei einem P2P-VPN gar keine zentrale Kontrolle, aber die Leistung kann je nach den Peers, die das Netzwerk unterstützen, unterschiedlich sein.
Fazit
Ein P2P-VPN bietet einen grundlegend anderen Ansatz für Privatsphäre, indem es zentrale Server durch ein verteiltes Netzwerk aus nutzerbetriebenen Knotenpunkten ersetzt. Dieses Design bietet Ausfallsicherheit, Zensurresistenz und kollektive Routing-Leistung, bringt aber auch Schwankungen in der Leistung und Vertrauenswürdigkeit mit sich, die zentral verwaltete VPNs nicht haben. Die Entscheidung zwischen einem zentralen VPN und einem P2P-VPN hängt davon ab, ob du Vorhersehbarkeit und verwaltete Sicherheit oder die Autonomie und Verteilung eines Systems bevorzugst, das von seinen Nutzern aufgebaut und gewartet wird.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet P2P bei VPNs?
Bei VPNs bedeutet P2P ein Netzwerk, in dem die Geräte der Nutzer als Knotenpunkte den Datenverkehr weiterleiten, statt auf Server von Anbietern angewiesen zu sein. Dadurch entsteht ein dezentrales System ohne zentrale Kontrollinstanz.
Sind P2P-VPNs schneller?
Nein. Tatsächlich sind P2P-VPNs meist langsamer – die Performance hängt von der Anzahl, Qualität und Verteilung der Peers im Netzwerk ab. Zentrale VPNs bieten typischerweise konstantere Geschwindigkeiten, da die Infrastruktur professionell gewartet wird.
Gibt es kostenlose P2P-VPNs?
Ja, aber kostenlose P2P-VPNs haben vielleicht weniger Peers, unregelmäßige Updates oder eingeschränkten Support. Die Sicherheit und Zuverlässigkeit eines P2P-VPNs hängen stark von der Community dahinter ab.
Was ist der Unterschied zwischen P2P-VPN und Onion over VPN?
Ein P2P-VPN verteilt das Routing auf nutzerbetriebene Knotenpunkte, während Onion over VPN ein zentrales VPN mit dem geschichteten Relay-System von Tor kombiniert. Das erste legt Wert auf Dezentralisierung, das zweite konzentriert sich auf mehrschichtige Anonymität.